Neue Kundenanforderungen, technische und organisatorische Veränderungen und nicht
zuletzt die rasante Marktentwicklung führen dazu, bestehende Systeme immer wieder
anpassen zu müssen. Dies gilt insbesondere für Produktfamilien, die im Vergleich zu
Einzelprodukten ein wesentlich größeres Marktsegment abdecken und dadurch ein höheres
Änderungspotenzial aufweisen.
Eine entscheidende Voraussetzung zur Unterstützung von Änderungen ist die Sicherstellung
der Verfolgbarkeit (Traceability) über alle Entwicklungsphasen. Um die Verfolgbarkeit zu
gewährleisten, werden üblicherweise die bei der Entwicklung entstandenen Arbeitsprodukte
durch sogenannte ?Traceability Links? miteinander in Beziehung gesetzt. Dies vereinfacht im
Fall einer Änderung die Ermittlung der dadurch beeinflussten Elemente (Impact Analysis).
Ziel des Änderungsmanagements (Change Management) ist die Umsetzung einer
systematischen und durchgängigen Behandlung und Unterstützung von Änderungen im
gesamten Entwicklungsprozess.
Eine wichtige Grundlage für die Einführung einer durchgängigen Änderungsunterstützung ist
die Dokumentation der Beziehungen zwischen Anforderungen und dem Architekturentwurf.
Diese gestaltet sich jedoch oftmals schwierig. Der Grund hierfür liegt in der Tatsache, dass
Anforderungen den Problemraum beschreiben, die Architektur aber bereits den Lösungsraum
dokumentiert. Die Architektur stellt also schon eine Umsetzung und nicht eine Verfeinerung
der Anforderungen dar.
Im Rahmen dieses Forschungsprojektes wurde ein von der Universität Essen entwickeltes
Verfahren, das eine adäquate Verfolgbarkeit von Anforderungen im Architekturentwurf
ermöglicht, angewendet und verfeinert. Das Verfahren wurde in Zusammenarbeit mit der
Robert Bosch GmbH anhand eines Praxisbeispiels aus der Umfeldsensorikentwicklung (Car
Periphery Supervision, CPS) erprobt und validiert. Dabei wurde eine mögliche Umsetzung
der Nachvollziehbarkeit von Anforderungen hin zur Architektur unter Berücksichtigung der
existierenden Projektdokumentation aufgezeigt. Darauf aufbauend wurde die Unterstützung
von Änderungen am Beispiel gegenwärtiger Änderungsfälle (Change Cases) demonstriert.
Das Verfahren unterstützt hierbei insbesondere die Identifikation der von einer Änderung
betroffenen Elemente und ermöglicht ferner die Einteilung von Änderungsfällen in
sogenannte Änderungsklassen. Diese Klassen können bei zukünftigen Änderungen
herangezogen werden um zu entscheiden, wie Änderungen in der Architektur zu behandeln
sind und welcher Änderungsaufwand dabei zu erwarten ist.